Zeittafel:
Leben und Werk Oskar Maria Grafs

1894

Geburt Oskar (Maria) Grafs als neuntes von elf Kindern im elterlichen Bäckerhaus (heute Oskar-Maria-Graf-Platz) in Berg am Starnberger See (22.7.)

1900

Beginn der Schulzeit in der Volksschule in Aufkirchen, Gemeinde Berg

1901

Graf als Siebenjähriger erstmals auf Besuch in München (Oktoberfest)

1905

Rückkehr des ältesten Bruders Max vom Militärdienst

Beginn der Mitarbeit des 11jährigen Graf in der elterlichen Bäckerei

1906

Tod des Vaters (28.4.), Übernahme der Bäckerei durch den Bruder Max

1907

Ende der Schulzeit, Beginn der Bäckerlehre beim Bruder Max

1910

Gewinn eines Preises beim Reclam-Verlag für eine Besprechung von Turgenjews "Gedichte in Prosa"

1911

Flucht vor dem brutalen Regiment des Bruders Max nach München, Leben als Hilfsarbeiter und Anschluß an die Schwabinger Boheme-Kreise um den Simplicissimus und die Jugend (ab September), Lektüre von Tolstoj und Landauer

1912

Wechselnde Hilfsarbeiter-Tätigkeit

Erste literarische Bemühungen (Gedichte, Aphorismen), Schriftführer der Gruppe "Tat" um den sozialistischen Schriftsteller Erich Mühsam

Beginn der Freundschaft mit dem Maler Georg Schrimpf und dem Schriftsteller Franz Jung

 1913

Im Frühjahr mit Schrimpf in der Südschweiz (Tessin, Ascona, Monte Verita)

weitere literarische Versuche als Expressionist

1914

Aufenthalt in Berlin (bis 16.8.)

erste Veröffentlichung expressionistischer Gedichte in der Zeitschrift Aktion

Rückkehr nach München und Einberufung zum Militär (1.12.), Grundausbildung in der "Train-Kaserne"

1915

Graf an der Ostfront

Lazarettaufenthalt in Deining und München

Einsatz in der Etappe an der Ostfront in Rußland und Litauen (Mai bis Dezember)

Tod des Bruders Max an der Westfront (28.5.)

Beiträge für Jungs Zeitschrift Die Freie Straße

1916

Befehlsverweigerung Grafs (Januar)

Nach Lazarettaufenthalt Einlieferung in die Irrenanstalt Görden bei Brandenburg (Februar/März), danach in Haar bei München (April bis Dezember)

Entlassung aus dem Militär nach psychiatrischem Gutachten als "dienstunbrauchbar" (4.12.)

1917

Graf legt sich auf Vorschlag des Malers Jacob Carlo Holzer den zweiten Vornamen Maria zur Unterscheidung von dem Kriegsmaler Oskar Graf zu .

Heirat mit Karoline Bretting (26.5.)

Tod der Schwester Emma (30.8.)

Veröffentlichung von Rezensionen in der München-Augsburger Abendzeitung sowie von Kurzgeschichten

Verhaftung wegen Beteiligung am Munitionsarbeiter-Streik

1918

Stipendium von Professor Roman Woerner und Hertha König

Geburt der Tochter Annemarie (13.6.)

Gelderwerb als Schieber und Alleinunterhalter im Kreis des Holländers Hoboken (München-Neuhausen)

Beteiligung am Marsch von der Theresienwiese zu den Kasernen (7.11.) zu Beginn der Revolution in München

Ende der Ehe mit Karoline Bretting

Bekanntschaft mit Rainer Maria Rilke

Schrimpf malt Porträt von Oskar Maria Graf (heute Städtische Galerie, München).

Veröffentlichung des ersten Gedichtbandes "Die Revolutionäre" (Umschlaggestaltung von Georg Schrimpf) im Dresdner Verlag von 1917, Dresden

1919

Beteiligung Grafs an der Räterepublik in Bayern als Zensor für die bürgerliche Presse

Kurze Gefangenschaft (14. - 26.5.) nach dem Ende der Räterepublik, Entlassung auf Fürsprache von Rilke und Professor Woerner; Beginn der Lebensgemeinschaft mit der von Berlin nach München übergesiedelten Mirjam Sachs, dem "Fräulein" in Grafs späterem autobiografischen Bekenntnisroman "Wir sind Gefangene"

Veröffentlichung des zweiten Gedichtbandes "Amen und Anfang" (Umschlagzeichnung wieder von Georg Schrimpf) im Verlag H. F. S. Bachmair, München, und eines Künstlerportraits "Georg Schrimpf" im Konstanzer Verlag

1920

Graf als Dramaturg an der "Neuen Bühne" eines Arbeitervereins in München (bis 1921), dabei erste Begegnung mit Bertold Brecht

Auf Bestellung reicher Geschäftsleute Ausrichtung von Atelierfesten in Schwabing

1921

Veröffentlichung von "Ua - Pua ...! Indianer-Dichtungen" beim Verlag Franz Ludwig Habbel zu Regensburg, gedruckt in zweihundert Exemplaren mit Kreidezeichnungen von Georg Schrimpf bei Knorr & Hirth in München

Veröffentlichung der Malerbiographie über " (Maria Uhden"Schrimpfs verstorbene Frau) bei Klinkhardt & Biermann, Leipzig

1922

Graf beim Malik-Verlag in Berlin (Verleger Wieland Herzfelde): Veröffentlichung des ersten Erzählungsbandes "Zur freundlichen Erinnerung" und der Jugenderlebnisse "Frühzeit"

Graf begleitet im Sommer seine Schwester Anna, genannt Nanndl, anläßlich ihrer Auswanderung nach Amerika von München bis Hamburg.

1923

Graf erlebt den Hitler-Putsch in München (9.11.).

Veröffentlichung einer neuen Künstlerbiographie über "Georg Schrimpf" (mit einer Selbstbiographie des Künstlers) bei Klinkhardt & Biermann, Leipzig

1924

Erste erfolgreiche Lesungen Grafs in München

Graf veröffentlicht sein "Bayerisches Lesebücherl Weißblaue Kulturbilder" bei Albert Langen, München, und "Die Traumdeuter Aus einer alten bayerischen Familienchronik" im Herder Verlag, Freiburg i. Brsg.

1925

Auf Bestellung schreibt und veröffentlicht Graf den Roman "Die Heimsuchung" im Verlag der Buchgemeinde, Bonn, sowie den "Dorfroman" "Die Chronik von Flechting" mit der Geschichte seiner Familie im Drei Masken Verlag, München.

Portraits von Graf von den Malern Jacob Carlo Holzer und Rudolf Schlichter

1926

Graf gründet unter seinem Vorsitz den "Jung-Münchner- Kulturbund", organisiert kulturpolitische und politische Veranstaltungen, veröffentlicht dazu Zeitungsartikel und das Bändchen "Finsternis", Sechs Dorfgeschichten wieder im Drei Masken Verlag, München.

1927

Graf veröffentlicht "Licht und Schatten. Eine Sammlung zeitgemäßer Märchen" im Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin, sowie den Erinnerungsband "Wunderbare Menschen. Heitere Chronik einer Arbeiterbühne nebst meinen drolligen und traurigen Erlebnissen dortselbst" im Engelhorn Verlag, Stuttgart (Er widmet das Büchlein "dem standhaften Kampfgenossen, meinem Freund Lorenz Ehrhart, Packträger im Münchner Hauptbahnhof, in alter Anhänglichkeit").

Erscheinen des Geschichtenbandes "Im Winkel des Lebens" im Buchmeister Verlag, Berlin

Durchbruch zum internationalen literarischen Erfolg mit der Umarbeitung und Erweiterung seiner Jugenderlebnisse "Frühzeit" (1922) zu dem Roman "Wir sind Gefangene. Ein Bekenntnis aus diesem Jahrzehnt" im Drei Masken Verlag, München

1928

Der Durchbruch zum literarischen Geschäft gelingt Graf mit dem bestellten Schnurren- und Geschichtenbuch "Das bayerische Dekameron" im Verlag für Kulturforschung, Wien (mit Steinzeichnungen von Walter Marcuse).

1929

Regelmäßige Reisen mit Freunden zum Maler-Freund Karl Wähmann nach Wasserburg am Inn auf (bis 1932)

Aus den USA kommen Bruder Eugen und Schwester Nanndl zu Besuch nach Berg

Im Herbst erscheint im Drei Masken Verlag, München, der Erzählungsband "Kalendergeschichten" mit dem Anhang "Kleiner bayerischer Dialektspiegel"

1930

Lesungen Grafs vor Mitgliedern des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller in Berlin und des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller in München (unter dem Präsidium von Thomas Mann)

1931

Graf zieht mit Mirjam Sachs aus der bisherigen Atelierwohnung im Haus Barerstraße 37 um in eine "gutbürgerliche Wohnung" im Haus Hohenzollernstraße 23/III.

Nach einem von Karl Wähmann übermittelten tatsächlichen Geschehen bei Wasserburg schreibt und veröffentlicht Graf "Bolwieser". Roman eines Ehemannes" im Drei Masken Verlag, München

1932

Veröffentlichung von "Dorfbanditen. Erlebnisse aus meinen Schul- und Lehrlingsjahren" im Drei Masken Verlag, Berlin, des Romans "Einer gegen alle" (Umschlagzeichnung von Georg Salter) im Universitas Verlag, Berlin, sowie von "Notizbuch des Provinzschriftstellers Oskar Maria Graf 1932. Erlebnisse, Intimitäten, Meinungen" im Zinnen-Verlag, Basel, Leipzig, Wien

Gefühle der Ohnmacht und Wut gegenüber dem Erstarken der nationalsozialistischen "Braunhemden"

1933

Mit der Einladung zu einer Lesereise nach Wien ab dem 24. Februar Beginn des Exils von Graf in Österreich

Mirjam Sachs folgt nach den Reichstagswahlen vom 5.3. am 11. März nach.

Nach der Bücherverbrennung der Nazis (10.5.), bei der er "verschont" worden ist, veröffentlicht Graf am 12. Mai in der Wiener Arbeiter--Zeitung seinen Protest "Verbrennt mich!". Danach werden - wie Oskar Maria Graf glaubt - auch seine Bücher in der Münchner Universität verbrannt.

Kundgebung für Graf im Saal "Zum Auge Gottes" in Wien (28.5.)

Einen Tag vor Beginn des Reichstagsbrandprozesses in Leipzig (21.9. - 23.12.) hält Graf in Wien einen Vortrag zum Thema "Der Reichstagsbrandprozess oder Wer schweigt, macht sich mitschuldig" (20.9.) sowie später den Vortrag "Dimitrow (!) klagt an!" (24.11.).

Graf wird neben Wieland Herzfelde, Anna Seghers und Jan Petersen Herausgeber der Monatsschrift Neue deutsche Blätter in Prag (erscheint bis August 1935).

1934

Nach der Jahresversammlung der "Vereinigung sozialistischer Schriftsteller" in Wien (4.2.), wo Graf zum Obmannstellvertreter gewählt wird, und einer Lesung in Innsbruck erlebt Graf den Februar-Aufstand der Wiener Arbeiter gegen die Regierung Dollfuß und flieht zwei Tage nach dessen Scheitern aus Österreich nach Bratislawa und Brünn (16.2.)

Am 1. März bezieht er mit Mirjam Sachs eine Wohnung in der Zelena 6 in Brünn; am 24. März wird er zusammen mit Albert Einstein und 35 weiteren Reichsangehörigen von den Nazis aus Deutschland ausgebürgert.

Von Juli bis Oktober reist Graf als Gast mit anderen namhaften antifaschistischen deutschen Schriftstellern wie Klaus Mann, J. R. Becher, E. E. Kisch, G. Regler, A. Scharrer, W. Bredel, E. Toller, Th. Plivier, A. Ehrenstein u. a. nach Moskau zum 1. Allunionskongress der sowjetischen Schriftsteller (17.8. - 1.9.) und durch den Süden der Sowjetunion

Tod der Mutter in Berg (27.9.)

Vor rund tausend Zuhörern berichtet Graf Anfang Dezember im Dopz-Saal in Brünn für die Volkshochschule über seine Erlebnisse in der Sowjetunion (sein Bericht, später ausgearbeitet, erscheint 1974 als "Reise in die Sowjetunion 1934" mit einem Nachwort von Hans -Albert Walter im Luchterhand Verlag, Darmstadt, Neuauflage 1992).

1935

Gegenbesuch der sowjetischen Schriftsteller-Freunde Tretjakow, Koltzow u. a. in Brünn (Oktober)

Erscheinen von "Der harte Handel. Ein bayerischer Bauernroman" im Emigranten-Verlag Querido Verlag, Amsterdam

Graf spricht eine Einführung zu einer Lesung von Ilja Ehrenburg in Brünn (13.12.).

 1936

Lesung von Graf vor dem Handwerkerverein (Bert-Brecht-Club) in Prag (20.2.)

Graf hält dort eine Rede zum Tod von Maxim Gorki (gest. 18.6.) und zum 19. Jahrestag der Gründung der Sowjetunion (21.11.).

Im Malik Verlag in London und in der Verlags-Genossenschaft ausländischer Arbeiter in der UdSSR in Moskau/Leningrad erscheint „Der Abgrund Ein Zeitroman“ .

Graf veröffentlicht Beiträge in der literarischen Monatsschrift Das Wort (von Brecht, Feuchtwanger und Bredel in Moskau gegründet, erscheint bis 1939)

1937

Graf hält Einführungen zu Lesungen von Fritz Brügel (20.2.) und Klaus Mann (16.4.) in Brünn und spricht eine Gedenkrede für den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Thomas G. Masaryk, der 1935 zurückgetreten und am 14.9.1937 auf Schloß Lana bei Prag verstorben ist.

Erscheinen von „Anton Sittinger. Ein satirischer Roman“ im Malik Verlag in London

Iim April muß sich Graf in Brünn zweimal täglich auf dem Polizeirevier melden, im Mai/Juni kann nach hartnäckigen Verhandlungen eine drohende Ausweisung Grafs aufs Land abgewiesen werden.

Mitarbeit Grafs in der Zweimonatsschrift Maß und Wert (von Thomas Mann und Konrad Falke in Zürich gegründet, erscheint bis 1940)

1938

Veröffentlichung der Erzählung „Der Quasterl in der „Kleinen Volksbibliothek“, Moskau

Graf als Delegierter der deutschen Gruppe beim Internationalen P.E.N.-Kongress in Prag (26. – 30.6.)

Flug Grafs mit Mirjam Sachs über Deutschland nach Holland und Überfahrt mit der „Veendam“ von Rotterdam nach New York

Graf hält seine erste öffentliche Rede vor einer Gruppe von Deutschamerikanern und geht im November nach der Gründung der GAWA (German American Writers Association) unter seinem Vorsitz (Ehrenvorsitzender: Thomas Mann) auf Vortragsreise nach Philadelphia, Cleveland, Baltimore, Detroit und Chicago.

Im September bezieht er mit Mirjam Sachs eine Wohnung in der Hillside Avenue 34, Apt. 6 E, in New York.

Beginn der Mitarbeit an der deutsch-jüdischen Zeitschrift Aufbau in New York

1939

Graf spricht die Einführung zu einem Leseabend von Ernst Toller (12.1.) aus dessen Stück „Pastor Hall“ und hält nach Tollers Freitod (22.5.) am 6.6. die Totenrede auf den Dramatiker.

Weitere Reden Grafs am 22.2. in New York zu Washingtons Geburtstag („Für die Demokratie!“) und am „German Day“ (4.12.) für die GAWA

Mirjam Sachs arbeitet als Redaktionssekretärin beim Aufbau.

1940

Auflösung der GAWA im Juli, Vortrag Grafs zum Thema „Die Juden stehen nicht allein“ (9.5.) vor dem German-Jewish-Club in New York

Von Juni bis August ist er als Stipendiat in der Künstlerkolonie Yaddo, wo er sein Buch „Das Leben meiner Mutter“ zu Ende schreibt. Es erscheint im November bei Howell & Solkin, New York, in englischer Sprache: „The Life of My Mother. A biographical novel“.

1941

Ab September arbeitet Graf an dem Roman „Er nannte sich Banscho“ (bis April 1942 veröffentlicht erst 1964 in Ost-Berlin).

Im Selbstverlag in New York erscheint eine Neuausgabe von „Anton Sittinger. Ein satirischer Roman“.

Ab Dezember trifft auch Graf die Reiseerschwernis für Deutsche in den Staaten nach der Kriegserklärung Hitler-Deutschlands an die USA (11.12.).

1942

Graf schreibt eine erste Fassung des späteren Romans „Die Erben des Untergangs“ unter dem Titel „Das kommende Recht“.

Er schreibt den Essay „Es ist Zeit. Gedanken zum 10. Mai 1933“ (veröffentlicht im Herbst 1942 in Books abroad, Norman/Oklahoma) sowie den Aufsatz „Aufruf zum Kampf gegen Hitler“.

1943

Hausdurchsuchung des FBI bei Graf, wobei kein Belastungsmaterial gefunden wird

Eine Universitätsanstellung Grafs wird durch Denunziation von „Freunden“ verhindert (Juli).

Gründung des Graf-Stammtisches in „German Town“ auf der Ostseite Manhattans (später in Yorkville)

Graf schreibt den Essay „Wesenlose Emigration – Ein großer Zeuge“, veröffentlicht im Aufbau (23.4.).

1944

In Chicago spricht Graf bei einer Veranstaltung der German-American Anti Axis League (26.2.) zum Thema „Das deutsche Volk und Hitlers Krieg“.

Lizenz für den von Graf und zehn anderen Autoren gegründeten Gemeinschaftsverlag Aurora

Ab September Beginn der Arbeit an dem Roman „Unruhe um einen Friedfertigen

Einseitige Scheidung von Karoline Bretting (14.9.) und Heirat mit Mirjam Sachs (2.10.)

1945

Ab Mai Brief-Kontaktaufnahme Grafs mit München, Berg und umgekehrt

Beginn der Organisierung von Hilfspaketen an bayerische Nazi-Opfer (bis 1951)

Nachruf zum Tode von Roda Roda im Aufbau (24.8.)

Im Aurora Verlag, New York erscheint „Der Quasterl und andere Erzählungen“.

1946

Im Verlag Kurt Desch, München (vormals Zinnen Verlag) erscheint „Das Leben meiner Mutter“ in deutscher Sprache.

1947

Im Aurora Verlag, New York, erscheint der Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“.

Neuausgabe von „Anton Sittinger“ im Freitag-Verlag, München

Tod von Grafs erster Frau Karoline Bretting in München

1948

Graf arbeitet an der Neufassung von „Die Eroberung der Welt“ und an dem Erzählungsband „Mitmenschen“ (erscheint 1950).

Besuch von Schwester Nanndl in New York

1949

Im Verlag Kurt Desch, München, erscheint der Roman „Die Eroberung der Welt“, der in der 2. Auflage (1959 beim Nest Verlag, Frankfurt am Main) vom Autor überarbeitet und in „Die Erben des Untergangs. Roman einer Zukunft“ umgetitelt wird.

1950

Arbeit an Essays und Betrachtungen

Im Aufbau Verlag, Ost-Berlin erscheint „Mitmenschen. Aus meiner Jugend auf dem Dorfe, aus der Stadt und der weiten Welt“.

1951

Im Januar hält Graf eine Rede zu einem Rilke-Abend des Aufbau .

Graf beendet den großen Essay „Der Moralist als Wurzel der Diktatur. Eine geistespolitische Betrachtung“ (erstmals gedruckt 1989 in „Reden und Aufsätze aus dem Exil“, hrsg. von Helmut F. Pfanner, Süddeutscher Verlag, München).

1952

Beginn der Arbeit an den Gedichten zu „Der ewige Kalender“. Ein Jahresspiegel“ (veröffentlicht 1954 zum 60. Geburtstag Grafs im Selbstverlag in New York, mit Zeichnungen von Anne Maria Jauss)

1953

Graf schreibt „Nekrolog für einen Freund“ (gemeint ist Franz Jung, der von 1948 bis 1960 in den USA gelebt hat und 1963 in Stuttgart gestorben ist) .

Graf erhält ab November eine Wiedergutmachungsrente wegen beruflicher Schäden und beginnt die Arbeit an dem Roman „Flucht ins Mittelmäßige.

1954

Graf hält die Grabrede für den verstorbenen Maler Josef Scharl, ein Mitglied seines Stammtisches (10.12.) .

1955

Graf stellt eine Neufassung der „Kalendergeschichten“ zusammen, die 1957 im Greifenverlag in Rudolstadt erscheint.

Nachruf auf Thomas Mann (gest. 12.8. in Kilchberg bei Zürich) am Hunter College

1956

Graf überarbeitet den Roman „Der Abgrund“ und gibt ihm den neuen Titel „Die gezählten Jahre“ (veröffentlicht 1976 im Süddeutschen Verlag).

Graf erhält Wiedergutmachungszahlungen für den Verlust seiner Bibliothek und seiner Gemälde .

1957

Graf wird im Dezember – nach Streichung des Absatzes über die Verteidigungsbereitschaft mit der Waffe in der Hand – als amerikanischer Staatsbürger vereidigt.

1958

Weiterarbeit an dem Roman „Flucht ins Mittelmäßige“, Ausarbeitung eines Essays über Heidegger

Juni bis Oktober: erste Europareise Grafs nach München (Eklat wegen seiner Lesung in Lederhosen im Cuvilliéstheater während der 800-Jahr-Feier der Stadt), Berg, Frankfurt am Main, Berlin, Wien, Zürich, Montagnola (Besuch bei Hermann Hesse), Nervi, Genua, London

Teilnahme an der Grundsteinlegung zur Akademie der Künste in West-Berlin

1959

Israel-Reise von Mirjam Graf (März bis April)

Krankenpflege Grafs am Bett von Mirjam bis zu deren Tod (11.11.)

Erscheinen der Romane „Die Erben des Untergangs. Roman einer Zukunft“ und „Die Flucht ins Mittelmäßige Ein New Yorker Roman“ im Nest Verlag, Frankfurt am Main

1960

Graf wird die Ehrendoktorwürde der Wayne State University, Detroit, verliehen (4.2.).

Juni bis Oktober: zweite Europareise Grafs nach Frankfurt am Main, Berlin (Eröffnung der Akademie der Künste mit Lesung), Hamburg, München, Dachau (Besuch des dortigen Museums), Muralto, Locarno

Graf verfaßt Nachschrift zum Prostest „Verbrennt mich!“ (1933) und stellt Essay-Band „An manchen Tagen“ zusammen

1961

Erscheinen von „An manchen Tagen. Reden, Gedanken, Zeitbetrachtungen“ im Nest Verlag, Frankfurt am Main

Aufenthalt in seiner „Arbeiterklause“ bei Freunden in New Jersey

Beginn der Arbeit an „Gelächter von außen“, dem ersten Teil einer Autobiographie (im November 1965 abgeschlossen)

Graf beantwortet für die Deutsche Post in Berlin eine Umfrage „Was mich abhält, nach Deutschland zurückzukehren“ .

1962

Arbeit an der Planung von zwei Bänden –„Jedermanns Geschichten“ (veröffentlicht in einer einbändigen Ausgabe 1988 in Süddeutschen Verlag)

Der große Bauernspiegel Dorfgeschichten und Begebnisse einst, von gestern und jetzt“ im Verlag Kurt Desch, München

Größtenteils schimpflich Von Halbstarken und Leuten, welche dieselben nicht leiden können“ im Feder Verlag, München

Erscheinen von „Altmodische Gedichte eines Dutzendmenschen“ ohne Verfassername im Nest Verlag, Frankfurt am Main

Dritte Ehe Grafs mit Dr. Gisela Blauner (28.6.)

1963

Erholungsaufenthalt Grafs in Arizona (Januar bis Mai)

Zehn Tage in Bozeman in Montana beim Bruder Eugen, Treffen mit dem Bruder Lenz

Graf schreibt die Satire „Achtung! Die neue Weltrevolution ist im Anmarsch!!! Die Sexualdemokratie!!!“ als „notwendiger Warnruf von OMG“ (gedruckt 1989 in „Reden und Aufsätze aus dem Exil“, Süddeutscher Verlag, München) .

1964

Juni bis Oktober: anläßlich des 70. Geburtstages von Graf (22.7.) dritte Europareise: Lesungen in West- und Ost-Berlin, Diskussionsabende mit Studenten und mit südamerikanischen Dichtern

Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Künste der DDR in Ost-Berlin

Lesung in München, beim Deutschland-Sender in Köln

Ehrung durch die Gemeinde Berg und durch die Bäcker-Innung in München

Ehrengabe und Goldmedaille der Stadt München

Kuraufenthalt in Bad Reichenhall

Im Aufbau Verlag in Ost-Berlin erscheint „Er nannte sich Banscho. Der Roman einer Gegend“ (geschrieben 1941/42 in New York); für die Münchner Abendzeitung verfaßt Graf den Text „Das Russengrab von Gräfelfing“ (dort am 1.11. abgedruckt) .

1965

Juni bis Oktober: vierte, letzte Europareise nach Frankfurt am Main, München, Bad Reichenhall, Wien, Zürich, Ascona

1966

Erholungsaufenthalt in Arizona (Frühjahr)

Im Verlag Kurt Desch, München, erscheint „Gelächter von außen. Aus meinem Leben 1918 – 1933“.

Im Fackelträger Verlag, Hannover, erscheint „Bayerisches Lesebücherl. Von Früherszeiten bis heutzutag“.

Graf veröffentlicht seinen Offenen Brief an den Papst Paul VI. (gegen Atomrüstung).

Graf leidet immer mehr an Asthmaanfällen, nach zehn Tagen Klinikaufenthalt meist bettlägerig.

Lesung der Lieblingsgedichte vor dem Stammtisch (31.12.)

1967

Graf schreibt im Krankenbett den Aufsatz „Zurück zur Sentimentalität! Sonderbares Vorwort zu einer geplanten Sammlung alter und neuer Lyrik“ (gedruckt am 3./4.6.1967 in der Süddeutschen Zeitung).

Graf leidet seit Mai an ständigen Schmerzanfällen und stirbt am 28. Juni im Mount Sinai Hospital in New York .

1968

Beisetzung der Urne Oskar Maria Grafs auf dem Bogenhausener Friedhof in München in Anwesenheit der Witwe, Dr. Gisela Graf, und des Oberbürgermeisters Hans -Jochen Vogel (28.6.) .


1974

Erscheinen der „Reise in die Sowjetunion 1934 im Luchterhand Verlag, Darmstadt/Neuwied

Im Verlag der Nation in Ost-Berlin erscheint von Rolf Recknagel „Ein Bayer in Amerika. Oskar Maria Graf – Leben und Werk“.

Im Annedore Leber Verlag, München, geben Wolfgang Dietz und Helmut F. Pfanner den Band „Oskar Maria Graf – Beschreibung eines Volksschriftstellers“ heraus .

1975

Beginn der Veröffentlichung der Gesammelten Werke Oskar Maria Grafs in Einzelausgaben mit den Titeln „Die Chronik von Flechting“ und „Kalendergeschichten“ im Süddeutschen Verlag (bis 1989 18 Bände erschienen, betreut von Hans Dollinger)

1976

Im Franke Verlag, Bern/München, erscheint von Helmut F. Pfanner „Oskar Maria Graf. Eine kritische Bibliographie“.

Beginn der deutsche Taschenbuch-Ausgabe der Werke Grafs bei dtv (mit Lizenz des Süddeutschen Verlags, München)

1977
Oskar Maria Graf Ausstellungen 1977 - 1988, beginnend in der Bay. Staatsbibliothek München und weiteren 32 deutschsprachigen Städten u.a. in Wien 1978 mit der Witwe Gisela Graf und den Enkelkindern Ricarda Glas und Klaus Koch.

1977

Beginn der Verfilmung von Grafs Werken: „Bolwieser“, Regie von Rainer Werner Fassbinder, „Der harte Handel“, TV-Film, Regie von Ulrich Edel (1978) und „Anton Sittinger“, TV-Film, Regie von Rainer Wolffhardt (1979), Triumph der Gerechten“, Regie von Josef Bierbichler (1984)

1981

Beginn der von Wilfried F. Schoeller in der Büchergilde Gutenberg herausgegebenen Werkausgabe von Oskar Maria Grafs Werken (Lizenzausgabe des Süddeutschen Verlages, bis 1992 14 Bände erschienen)

1984

Symposium der Stadt München zu Feuchtwangers 100. und Grafs 90. Geburtstag (7. – 22.7.), ursprünglich unter dem Motto „Zwei verjagte Dichter, zwei der besten“

1985

In der Reihe rororo-Monographien erscheint als Nummer 337 von Georg Bollenbeck „Oskar Maria Graf“.

1987

Im Süddeutschen Verlag, München, erscheint die Werk-Biographie von Gerhard Bauer „Gefangenschaft und Lebenslust. Oskar Maria Graf in seiner Zeit“ (Bildredaktion: Hans Dollinger) .

1989
im Süddt. Verlag erscheint "Oskar Maria Graf - Reden und Aufsätze aus dem Exil"
Herausgegeben von Helmut F. Pfanner
1992

Das Kulturreferat der Stadt München veranstaltet mit den Kammerspielen und dem List Verlag, München (Nachfolge-Verlag des Süddeutschen Verlages als Rechte-Inhaber am Werk OMGs) zum 25. Todestag des Dichters eine Lesung aus den Werken Grafs mit dem Schauspieler Jörg Hube; Münchens Oberbürgermeister Georg Kronawitter sagt der Witwe Gisela Graf die Aufstellung eines Denkmals für Oskar Maria Graf und Hilfestellung bei weiteren geplanten Veranstaltungen und Aktivitäten (Ausstellungen etc.) zum bevorstehenden 100. Geburtstag des Dichters im Jahre 1994 zu.

Gründung einer Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft in München (22.9.) mit dem Ziel der „verstärkten Rezeption und Beschäftigung mit dem Werk Grafs, Förderung der mit Graf verknüpften Forschung, Unterstützung von Ausbau und Erhaltung von Graf-Gedenkstätten“ sowie „Sammlung und Erschließung des gesamten Nachlasses von Oskar Maria Graf“

1993
Brünn: Gedenktafelenthüllung im Vestibül des Kino Scala, anläßlich der 60. Wiederkehr der Bücherverbrennung in Hitler-Deutschland; Erinnerung an deutsche und österreichische Emigranten, darunter Oskar Maria Graf
1994

Den 100. Geburtstag von Oskar Maria Graf feiert die Gemeinde Berg und das Kulturreferat der Landeshauptstadt München vom 30.4.1994 – 13.12.1994 mit vielen Veranstaltungen und einer Ausstellung im Münchner Stadtmuseum. In der Büchergilde Gutenberg erscheint von Wilfried F. Schoeller „Oskar Maria Graf – Odyssee eines Einzelgängers.

Jo Baier verfilmt die Erzählung aus den Kalendergeschichten "Hölleisengretl"

1994-2008
die Oskar Maria Graf Gesellschaft e.V. gibt das Oskar Maria Graf Jahrbuch für das Jahr 1993, 1994/1995, 1996, 1997/1998, 2001, 2005, 2006, 2008/09 heraus
2004
Sybille Krafft dreht einen Film über die Tochter Annemarie Graf-Koch "Kindheit in Berg" eine BR-Produktion

2008

am 8. Dezember 2008 stirbt Oskar Maria Graf´s einzige Tochter Annemarie Graf-Koch