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AZ - Regional 8.1.2004

Dirk Heißerer und Oskar Maria Graf

Dirk Heißerer beim Graf-Abend mit bayerischer Musik im Hoffmann-Keller. Bild: Bleier

 

Werter Herr Verlag !

Dirk Heißerer über Oskar Maria Graf im Hoffmann-Keller

Wer nach wie vor behauptet, das Beste an Augsburg sei der Zug nach München, kennt nicht die Literaturreihe "Bayern quer", denn sonst wüßte er: Das Beste an München ist der Zug nach Augsburg, in den Dirk Heißerer steigt, Literaturplauderer im voll-besetzten Hoffmann-Keller: Sein letztes Thema: Oskar Maria Graf, umrahmt von der Volksmusik-Combo aus Gempfing.

Grafs 110. Geburtstag war Dirk Heißerer Verpflichtung, den bayerischen Querkopf vorzustellen, und zwar so, wie sein Leben in Berg am Starnberger See, in München, Berlin und in der Emigration in New York verlaufen war. Nicht immer konnte man darüber so lachen wie über die Geschichten aus seinem "Bayerischen Dekameron". Eines aber muss man sich merken: Ein Oskar Maria Graf darf nicht vergessen werden.
"Das greisenhafte Bartgesicht der Kälte zugewandt" - mit einem Januar-Gedicht zollte Heißerer zunächst dem Lyriker Graf Tribut, der sich selbst als "Dutzendmensch" und "Provinz-schriftsteller" apostrophiert hatte.

Durch seinen Bruder Maurus schon als Bub mit der Welt der Literatur vertraut gemacht, wandte sich Graf zu Beginn seiner Karriere an potentielle Verleger mit der Anrede: "Werter Herr Verlag! Indem, dass Sie mir gesagt haben...",
Seinen Durchbruch verdankte er später Thomas Mann, mit dem ihm eine lebenslange Freundschaft verband. Wichtiges Datum für den politisch links stehenden Oskar Maria Graf (dem Zweitnamen hatte er sich selbst gegeben) war die Bücherverbrennung der Nazis, vor allem die für ihn unerhörte Tatsache, dass seine Schriften nicht dazu gehört hatten. Grafs Antwort blieb der einzig öffentliche deutschsprachige Protest, in dem er formulierte: "Womit ich diese Schmach verdient habe". Es folgte das Exil.
Grafs schönstes Buch, laut Heißerer "die bayerischen Buddenbrooks", ist "Das Leben meiner Mutter", in dem er die Grenzen der Erzählung und Biographie durchmischt, worin dem Bruder das Schlusswort gehört. Maurus Graf bezeichnete die Mutter als "tapfere Dulderin, eine Heldin der Arbeit".

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von Herrn Dr. Dirk Heißerer zur Veröffentlichung auf dieser Website genehmigt.