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Premiere des BR-Films "Kindheit in Berg - Die Graf-Tochter erzählt"

Sensible Annäherung an den fernen Vater

Autorin Sybille Krafft gelingt amüsante und anrührende Dokumentation über den Schriftsteller Oskar Maria Graf

Aufkirchen

Natürlich hätte ihm der Abend gefallen, dem Oskar Maria Graf. Und wahrscheinlich hätte er das ein oder andere Mal lauthals losgelacht. Ganz sicher aber wäre er auf seine Tochter Annemarie recht stolz gewesen - auf ihre kraftvolle Art zu erzählen, auf ihre Schlagfertigkeit und ihren Mutterwitz. Sie hat unstrittig einen großen Anteil daran, daß der BR-Film von Sybille Krafft "Kindheit in Berg - Die Graf-Tochter erzählt" zu einem sehr persönlichen Dokument über den Berger Schriftsteller, sein Lebensumfeld und seine Zeit wurde - amüsant und anrührend zugleich. Am Freitag feierte er Premiere im ausverkauften Saal des Gasthofs "Zur Post" in Aufkirchen. Umrahmt wurde der Abend mit dem Titel "Der Graf, die Bäckin und das Annamirl" von Graf-Texten und Musik, zusammengestellt und vorgetragen vom Wolfratshauser Kabarettisten und Autor Claus Steigenberger und den Bachhauser Bläsern.

Sybille Kraffts Film ist sensibel. Sie hat sich dem Leben dreier Menschen angenähert - vorsichtig und mit Bedacht: dem der am 13. Juni 1918 in München geborenen Annemarie, ihres Vaters, des Schriftstellers Oskar Maria Graf, und dessen Mutter Therese Graf, der Bäckerin von Berg. Letztere ist das Bindeglied, zwischen Vater und Tochter. Sie stellt, von dem Tag an, als sie die kleine Annemarie von ihrer kranken Mutter weg zu sich nach Berg holt und aufzieht, praktisch das Scharnier der Beziehung dar. Elf Kinder hat die Bäckerin schon großgezogen - und sich dabei stets bemüht, sie zu "gottesfürchtigen, redlichen Menschen" zu machen. Da kommt es auf eines mehr auch nicht an. Graf seinerseits ist zu der Zeit, als Annemarie klein ist, mit anderen Dingen beschäftigt: mit dem politischen und gesellschaftlichen Umbruch.

 

Annemarie Graf-Koch und Sybille Krafft

Annemarie Graf-Koch und Sybille Krafft

1933 emigriert er dann zuerst nach Wien, und später in die USA. Dort findet er eine neue Heimat, wenngleich er schmerzvoll an die Alte zurückdenkt - wohl auch, weil dort seine Mutter lebt, die ihm sehr nahe steht. Seine Tochter Annemarie sieht er nur noch selten. Für sie wird Berg zur Heimat, was letztlich auch der Großmutter zu verdanken ist. Der Kreis schließt sich.

Die heute 85-jährige Annemarie Koch-Graf erzählt frei, so, als hätte sie die Anwesenheit der Kamera völlig vergessen, oder sie ist ihr schlicht egal. Grafs Tochter zu sein sei eben kein Verdienst, meint sie, sondern vielmehr ein Zufall - für Oskar Maria Graf allerdings ein Glücklicher.

 

Denn mit ihrer deftigen, ungekünstelten Art ist Annemarie Koch-Graf die beste Botschafterin für das Werk ihres lange Zeit besonders in seiner Heimatgemeinde ungeliebten Vaters. Und so tut es wohl, daß Bergs Bürgermeister Rupert Monn am Ende der Premierenfeier versichert: Berg habe längst seinen Frieden mit dem berühmten Sohn gemacht. Die Gemeinde, so Monn, sei mit dem Namen Graf eng verbunden. "Und darauf sind wir stolz."

SABINE BADER
Süddt. Zeitung Region Starnberg
26.4.2004

 

Ponkie sieht fern
TV-Kolumne der Abendzeitung 27.4.2004

Ein besonders schöner Film aus der BFS-Doku-Reihe "Unter unserem Himmel" gelang Sybille Krafft mit dem Porträt von Annamirl, der einzigen Tochter von Oskar Maria Graf, 86, die während seiner Emigration bei der Großmutter in Berg am Starnberger See aufgewachsen ist - an denselben Kinheitsorten, in der selben Schule, mit den selben Onkeln und Tanten wie der Vater. Die Erzählungen der Annamirl im Originalton sind unwiederbringliche Zeitzeugnisse.