Die Revolutionäre

Holzschnitt von Georg Schrimpf

Erstausgabe 1917

Die Revolutionäre 1917/18

Holzschnitt 13 x 14,5 cm. Titelblatt zu OMG Gedicht „Die Revolutionäre“ Schiller-Nationalmuseum, dt. Literaturarchiv, Marbach am Neckar

Vor Sept. 1917 an veranstaltete ein Kreis expressionistischer Literaten und Künstler Abende, auf denen sie die neue Kunst propagierten. Diese Gruppe 1917 gehörten u. a. Felix Stiemer, Raoul Hausmann, Recha Rotschild und Conrad Felixmüller an. Als auswärtiges Mitglied der expressionistischen Gemeinschaft wurde OMG aufgenommen. Am 1. Dez. 1917 wurde von diesem Personenkreis der Dresdner Verlag von 1917 gegründet. Als Heft 4 der Reihe „Das Neueste Gedicht“ brachte der Verlag 1918 Oskar Maria Grafs „Die Revolutionäre“ heraus, für das Georg Schrimpf die Titelgraphik herstellte. Die darin enthaltenen Gedichte Grafs sind dem Zeitgeschmack entsprechend in expressionistisch-aktivistischem Pathos gehalten. Dass die Revolution in Grafs Texten als vitalistisches Aufbegehren ohne konkrete politische Forderungen verstanden wird, kann bereits durch die ersten Zeilen des Gedichts „Der Marsch“ verdeutlicht werden:

Die schreitenden Körper gefüllt mit der Brunst schmachtenden Sehnens vergangner Jahrhunderte.
Die furchigen Stirnen umhüllt vom lohnenden Dunst bezwungenen Schicksals, das entwunderte, als es der Eine ins Wirkliche hob und beschwor.
Die Rücken gestrafft und durchrieselt von jauchzendem Glück, weil dahinter fanfarengeschrillt und empor aus beengenden Straßen brausende Sänge frohlockenden Sieg bis zum nächtigen Himmel tragen. Die atmenden Brüste befreit und die Seelen entzündet, dass sie jedwedem Verzögern den Einlaß versagen. Entschlossen hämmernder Schrittchor verkündet sich wortlos als Anfang und trägt ihn hinauf und hinaus aus dampfenden Städten, wo Hütte und Haus stehn dorfsanft gepaart, rötend den kommenden Morgen über träggebettete Länder, tötend für Grenze und Trennung.

Ein Gedicht ähnlichen Inhalts mit dem Titel „Der Marsch beginnt…!“ erschien auf der Titelseite der unter der Kontrolle des Zentralrats herausgegebenen Tageszeitung „Bayerischer Kurier“ (9.4.1919). Es wurde hier bewusst in einen politischen Kontext gestellt und korrespondierte mit der Schlagzeile dieser Ausgabe: „Die Weltrevolution marschiert“. Motive, die Graf in seinem Gedicht „Der Marsch2 verwendet, tauchen auch in dem Holzschnitt von Schrimpf auf:“die schreitenden Körper gefüllt mit der Brunst“, „die atmenden Brüste befreit“ (so befreit, dass sie vollkommen nackt sind), „aus dampfenden Städten“ und „rötend den kommenden Morgen“. Die zwei Marschierenden auf Schrimpfs Holzschnitt zeigen eine große Ähnlichkeit zu den beiden Figuren auf der linken Bildhälfte seines ersten Gemäldes „Kameraden“ von 1915

Quelle: Süddeutsche Freiheit – Kunst der Revolution in München 1919, Lenbachhaus Mchn. Ausstellung Nov.1993, S. 189