Wollt
ihr nun wissen, was und wer ich bin, so sage ich: Mir ist als Bub von
10 - 12 Jahren so
gründlich wie vielleicht keinem der Glaube an das Menschliche im Menschen
herausgeprügelt worden, dass es viele Jahrzehnte, fast bis an die Grenze
meines Greisenalters gebraucht hat, bis ich wenigstens einiges wieder zurückgewinnen
konnte. Und ohne diesen Glauben kann kein Mensch existieren. Meine einzige
Rettung war, dass ich - um nicht eines Tages meinem Leben den Garaus zu
machen - mit einer bohrenden Verbissenheit ohnegleichen stets von mir selber
und der Öffentlichkeit Beichte ablegte, mich derart entlarvte und bloßstellte,
dass es mir vor mir selbst unsagbar graute. Und da es in der Natur jedes
Menschen liegt, stets von sich auf andere zu schließen, so kann man
sich denken, welche Erschütterungen dieses sich immer wiederholende
Grauen in mir hervorgerufen hat. Es steigerte sich schließlich zum
ohnmächtigen Eingeständnis, dass der Mensch eine unergründliche
Fehlleistung der Schöpfung sei, wie ein Blatt im Wind hilflos ausgeliefert
den Mächten seiner Herkunft, seines mühseligen Werdens und der
dunklen, fast unbezwingbaren Triebe. Das trieb mich zum Schreiben, und dass
auch der Mitmensch dadurch ermutigt wird, so in sich zu schauen und dadurch
zu einer Verträglichkeit mit seiner Umwelt zu kommen, war einzig
und allein der Sinn meines Schaffens und Wirkens.