Stimmen zum Werk Oskar Maria Grafs


 

Romain Rolland

frz. Schriftsteller,
1866 - 1944

 

Romain Rolland 1927 über Grafs Bekenntnisbuch „Wir sind Gefangene“, mit dem ihm der literarische Durchbruch gelang:

Ein tief bewegendes Werk, in seiner Aufrichtigkeit nur vergleichbar mit Rousseaus „Bekenntnisse“.

 

 

 

 


 

Maxim Gorki

sowjet. Erzähler und Dramatiker, 1868 - 1936

 

 

Maxim Gorki über Grafs "Wir sind Gefangene"

Das einzige Werk, das den revolutionären Geist der unterdrückten deutschen Massen zum Ausdruck bringt.

 


 

Alfred Döblin

dt. Schriftsteller,
1878 - 1957

 

Alfred Döblin über den 1931 erschienenen Roman Grafs „Die Ehe des Herrn Bolwieser

Ein Kabinettstück deutscher Erzählkunst.

 

 

 

 


 

Walter Benjamin

dt. Schriftsteller und Philosoph

1892 - 1940

Walter Benjamin über Grafs 1929 erschienene Kalendergeschichte

  n Durch jede, noch die schlichteste Erzählung, geht ein großer Luftzug. Wir machen uns selten einen Begriff davon, wie viel Freiheit dazu gehört, die kleinste Geschichte zum besten zu geben... Sie sind weniger Behältnisse einer Moral, die ihnen jeder Leser entnehmen könnte, als bittend vorgestreckte Hände, denen man, vorübergehend, schamhaft den ‚Sinn’ wie einen Bettlerpfennig zustecken möchte.

 


 

dt. Schriftsteller,
1898 - 1956

 

Bertolt Brecht in seinem Gedicht Die Bücherverbrennung über Oskar Maria Graf

Ein verjagter Dichter, einer der besten.

 

 

 


 

Sergej Tretjakow

russ. Schriftsteller
1892 - 1939

 

 

Sergej Tretjakow, russischer Schriftsteller, mit dem Oskar Maria Graf seit 1934 befreundet war

Und gleichzeitig ist Graf ein Mann der präzisesten literarischen Arbeit. Die Dialektfülle erhebt sich bei ihm auf einem festen und einfachen sprachlichen Boden. Nicht einen Juwelier der Sprache will ich ihn nennen. Im Juwelier steckt zu viel von der hypergenauen Lupe und der Reglosigkeit der großen Muskeln. Eher einen Dreher, der das Metall des Wortes bearbeitet. Er versteht sich auf das Bedeutungsgewicht der Wörter, erkennt den Stabilitätswert einer richtig gebauten Wendung.

 


 

 

Kurt Kersten

Schriftsteller und Journalist

1891-1960

 

 

Kurt Kersten über Oskar Maria Graf und sein Werk

Dieser bayerische Bauernmensch Graf ist nicht nur einer der erfrischendsten, offensten, beherztesten Kameraden auf dem Weg, den wir außerhalb der Grenzen des Dritten Reiches zu gehen haben, sondern eines unserer schriftstellerischen hervorragendsten Talente, einer unserer besten Erzähler und Beobachter; er besitzt, was so selten ist, Witz, Humor, und vor allem auch jene Einfalt des Herzens, die nicht mit Rührseligkeit und Sentimentalität zu verwechseln ist.

 


 

Heinrich Mann

dt. Schriftsteller
1871 - 1950

Heinrich Mann in einem Brief an Graf über dessen 1936 erschienenen Roman „Der Abgrund“ (später „Die gezählten Jahre“)

Der Raum, seine Person, ihre Schicksale, decken sich mit der berichteten Zeitgeschichte, sie laufen nicht nebenher, das Erfundene ist genauso wichtig wie die bekannten Ereignisse und Autoren. So und nicht anders erfasst man die wirkliche Zeitgeschichte, die Geschichte aus der Masse der Leute heraus. Das haben Sie machen können, weil Sie dazu gehören und als Schriftsteller die Kraft Ihres Volkes haben.

Heinrich Mann über den 1947 erschienenen Roman Grafs „Unruhe um einen Friedfertigen“

Der Verfasser steht auf eigenem Boden, „da feit si nix“. Nun ist Realismus etwas Sicheres, realistische Romane wird es immer geben, dafür bleiben sie oft mittelmäßig. Dieser nicht. Seine intensive, gesteigerte Wirklichkeit gelangt mehr als einmal zu alleräußersten Romanszenen, ich fand mich in der – nicht mehr häufigen – Kunst der Meister.

 

 

 


 

Thomas Mann

dt. Schriftsteller,
1875 - 1955

1946 in einem Brief an Oskar Maria Graf

Sie sagen, geistig trenne Sie so viel von mir. Ist es eigentlich so viel, und was ist es eigentlich? Wenn wir heute über Amerika, Europa, die Weltlage miteinander sprechen, ich glaube nicht, dass sich beträchtliche Gegensätze in den Meinungen und Gesinnungen ergäben.

1948 in einem Brief an Graf über dessen 1946 erschienenen Roman „Das Leben meiner Mutter“

Das ist ein wahres Monument der Pietät und Liebe und in seiner Art ein klassisches Buch. Gewiss werden später die deutschen Schulkinder Stücke daraus in ihren Lesebüchern finden.

Thomas Mann 1951 in einem Brief an Graf

Sie haben so eine gute, warme, gewinnende Art zu schreiben, dass einem das Herz aufgeht. An Ihnen ist kein Falsch, das fühlt man. Glauben Sie mir, ich lege großen Wert auf Ihre Freundschaft!

Thomas Mann, 1954 in einem Gruß zum 60. Geburtstag Grafs

Festigkeit und Milde – das nenne ich seine besten Eigenschaften. Er setzt sich gegen die Ungunst und Widerwärtigkeit der Zeit... Unter unseren Geburtstagswünschen aber soll der voranstehen, dass die Heimat, sein oberbayerisches Land, seiner recht gewahr werden und sich dankbarer, als gegenwärtig, erweisen möge für das Gute, das er zu ihrer Ehre hervorbringt. Sie hat keinen echteren, in der vom Schicksal erzwungenen Ferne, keinen treueren Sohn.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Albert Einstein

dt. Physiker, 1879 - 1955

 

Albert Einstein 1949 über Grafs Roman Die Erben des Untergangs

Das Buch zeigt den tiefen Ernst der gegenwärtigen Menschheitssituation mit einer Überzeugungskraft, wie sie nur ein wahrer Dichter besitzt, und ich glaube wohl, dass es einen dauernden Einfluss ausüben kann.

 

 


 

 


 

Lion Feuchtwanger

dt. Schriftsteller
1884 - 1958

Lion Feuchtwanger 1954 über Grafs Werk

Gern bekenne ich, dass mir das Werk Oskar Maria Grafs am Herzen liegt. Aus zwei Gründen. Es ist das starke Werk eines Dichters, und es ist das Werk eines „hoch“deutschen eines bayerischen Dichters. Mir aber, dem Münchener, ist das Bayerische lieb und vertraut, und ich spüre auf jeder Seite Grafs die Verwandtschaft zwischen seiner Sprache und der meinen.

 


 

 


 

 

Ludwig Marcuse

dt. Philosoph und Schriftsteller, 1894 - 1971

Du bist ein Extrovert mit Beinen und Armen und Lache... ich mehr mit Affekten, wie Du weißt. So beschränke ich mich auf die nüchterne Wahrheit, dass ich Dich sehr gerne habe, mit Vorsicht - die Vorsicht besteht darin, dass ich nie vergesse, dass Du ein Filou bist. Aber es gibt liebe Filous und böse – Du gehörst zu dem ersten Genre. Was ich an Dir vor allem schätze, dass Du nie vergessen hast, was ein Anarchist ist... und Dich danach benommen. Das ist nicht sehr konstruktiv, vermeidet aber viele Dummheiten; so dass ich Dir heute ins Presse-Album schreibe, dass Du angesichts dieses rasend blöden Jahrhunderts mit einem Minimum von Dummheiten ausgekommen bist. Ich halte Dich nicht für überwältigend gut, aber für ganz anständig... und solltest Du jenseits mein Zeugnis brauchen, ich denke, ich würde es Dir geben. Besonders dankbar bin ich dafür, dass Du viel Unterhaltungs-Stoff abgibst. Wenn es irgendwo besonders langweilig ist, dann beginne ich: da gibt es diesen Oskar Maria Graf... und die Leute wachen immer auf... ich bin und bleibe ein Preuße – und Bayern hätte nie für mich Bedeutung gewonnen, wenn ich Dich nicht kennengelernt hätte. Ich bin und bleibe ein Asphalttier mit Fremdworten – und Du bist der erste Bauer gewesen, dem ich etwas zugeguckt habe... und das vergisst man nicht.

 

Ludwig Marcuse 1954 in einem Brief an Oskar Maria Graf

 


 

Bruno Frank

dt. Schriftsteller,
1887 - 1945

Dichtung eines wirklichen Lebens- und Menschenkenners, tragisch ganz ohne Pathos, mitleidsvoll ganz ohne Wehmut, einfach, redlich und stark.

 

Bruno Frank über Oskar Maria Graf

 


 

Hermann Hesse

dt. Schriftsteller,
1877 - 1962

In den „Kalendergeschichten“ habe ich schon einiges gelesen und mich dabei der Zeit erinnert, wo ich öfter nach München kam und von Ludwig Thoma manchmal aufs Land mitgenommen wurde. Wir waren befreundet in der Zeit, als er noch der Kämpfer und Pfaffenfeind war und wegen Majestätsbeleidigung in Stadelheim saß... Es geht abwärts, ich bin sehr schwach und müd geworden, aber doch noch mancher Freude fähig, und eine Freude war und ist mir auch Ihre liebe Gabe.

 

Hermann Hesse 1958 in einem Brief an Oskar Maria Graf

 


 

Theodor Heuss

dt. Politiker, Historiker und Publizist,
1884 - 1963

Ich habe die literarische Aussagekraft von Oskar Maria Graf immer sehr hoch bewertet.

 

 

Theodor Heuss 1959 in einem Brief an Grafs Verleger Kurt Desch

 


 

Hugo Hartung

dt. Schriftsteller
1902 - 1972

Es war in Oskar Maria Graf die in sich gegründete Sicherheit eines wahrhaftigen Menschen und die Kraft einer Persönlichkeit, der die Welt zur Heimat wurde, weil sich ihr von Anbeginn die Heimat zur Welt geweitet hatte.

 

Hugo Hartung, Weggefährte Grafs in seiner Münchener Zeit, über Grafs Werk

 


 

Josef Luitpold Stern

Schriftsteller, Dichter und Philosoph
1886-1966

Dem Mann der Wahrheit, dem Freund der Völker, dem Meister der Erzählung.

 

 

Josef Luitpold Stern fand zum 70. Geburtstag Grafs 1964 diese Formel

 


 

Richard Friedenthal

dt. Schriftsteller
1896 - 1979

Graf ist direkt. Er sagt, was er meint, geradeheraus, unmissverständlich. Er behält sich keine Rückzugslinie vor, weder ins Unverbindliche oder Symbolische, noch in jene „höheren Gefilde“, in denen dann die Kommentatoren ihre Sprache anbringen können. Er bleibt hier auf der Erde, im Heutigen, und erklärt sehr deutlich, was er von seinen Zeitgenossen denkt.

 

Richard Friedenthal, 1964 über Oskar Maria Graf

 


 

Graf und der spätere Münchner Oberbürgermeister
Hans Jochen Vogel 1958

Wenn wir jetzt seine Asche zur letzten Ruhe betten, so ist das deshalb auch kein bloßer Akt der Pietät und keine verspätete Geste der Wiedergutmachung, es ist vielmehr Ausdruck einer festen Absicht: der Absicht, dort, wo wir Verantwortung haben und wirken können, alles zu tun, damit künftig aus diesem Land und dieser Stadt niemand mehr fliehen muss, weil Freiheit und Menschlichkeit noch höher stehen als die Heimat. Wir werden dabei das Beispiel von Oskar Maria Graf, sein Werk und die Erinnerung an ihn immer wieder als Ermutigung und Ansporn nötig haben.

 Hans-Jochen Vogel, Oberbürgermeister von München, 1968 bei der Beisetzung der Urne des 1967 verstorbenen Oskar Maria Graf auf dem Bogenhausener Friedhof

 


 

Peter Härtling

dt. Schriftsteller
geb. 1933 Chemnitz

Die Charakterisierung „Volksschriftsteller“ ist ungenau, meint zuviel und trifft zuwenig. Graf war ein Schriftsteller, ein guter dazu, der leider weithin unbekannt geblieben ist. Er selbst hatte sich, allerdings nicht ohne Sarkasmus, „Provinzschriftsteller“ genannt. Um das zu unterstreichen, trug er in allerfeinster Gesellschaft, im In- und Ausland, daheim und später im Exil, Lederhosen und Trachtenwams. Dass er mehr vom „Volk“ wusste, dass er in seiner Kindheit und Jugend, Armut, Unwissenheit und Unterdrückung erfahren hatte, kann man in seinen Büchern nachlesen.

 

Peter Härtling, 1974 über den „Volksschriftsteller“ Oskar Maria Graf

 


 

Carl Zuckmayer

dt. Schriftsteller
1896 - 1977

Graf gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern unseres Jahrhunderts. Seine Werke sind ebenso zeitklärend wie überzeitlich, und er war eine der markantesten Persönlichkeiten der deutschen politischen und literarischen Emigration. Sein gesamtes Werk ist vom Geist einer neuen, aktiven Humanität erfüllt.

 

Carl Zuckmayer im Jahr 1976 über Oskar Maria Graf

 


 

Herbert Rosendorfer

geb. 1934 in Bozen Schriftsteller und Richter

Er selber hat sich gegen jede politische oder gar parteipolitische Festlegung gewehrt. Er hat sich auf eine diesbezügliche Frage mit ironischer Distanz auf die Antwort: „Ich bin katholisch“ zurückgezogen. Volksschriftsteller? Man kann nicht pessimistisch genug sein. Es sei denn, man bezeichnet einen Schriftsteller als Volksschriftsteller, wenn man wünscht, dass das Volk ihn läse. Dann wäre Graf ein Volksschriftsteller. Schön wäre es.

 

Herbert Rosendorfer, 1976 über Oskar Maria Graf

 


 

Bernt Engelmann

dt. Schriftsteller
1921 - 1994

Graf kannte die Nazis... seit ihren frühesten Anfängen. Er hatte den Hitler-Ludendorff-Putsch vom November 1923 in München miterlebt und vorher, noch ehe es eine Nazi-Partei gab, das Wüten der mit dem „Hakenkreuz am Stahlhelm“ gegen die Münchner Arbeiterschaft marschierenden „Ordnungskräfte“. Er machte sich keine Illusionen, wie es manche bürgerlichen Schriftsteller taten, und er roch schon den Krieg, den er immer gehasst hatte... Graf hatte in den vierzehn Jahren der Weimarer Republik aus seinem Abscheu vor den Nazis, seiner pazifistischen Gesinnung und seiner Überzeugung, dass man als anständiger Mensch nur politisch links stehen könne, nie einen Hehl gemacht.

 

Bernt Engelmann, 1978 über Oskar Maria Graf

 


 

Walter Jens

dt. Schriftsteller
geb. 1923

Man kann es nicht oft genug sagen: Oskar Maria Graf war kein tumber Erzähler, der sein Handwerk nicht so richtig beherrschte, kein volkstümlich dahinplaudernder Homeride aus Oberbayern („Das Volk ist nicht tümlich“: Der Brechtsche Satz gilt auch, und vor allem, für Graf) – er war belesen und hatte, als Epiker, einen Sinn für Ökonomie und Kalkül... wie sehr, das beweist sein autobiographischer, zu Recht von so unterschiedlichen Autoren wie Thomas Mann und Maxim Gorki gepriesener Roman „Wir sind Gefangene“... Dieser Mann, bis heutehin unterschätzt, war sehr viel mehr – ein Schriftsteller, der das Programm in praxi zu erfüllen verstand, das er, in seinem Schreiben an die „Linkskurve“, als für jeden Autor, dem es um die Humanisierung der Gesellschaft ginge, verbindlich erklärte: „Tendenz hin, Tendenz her. Literatur ist: Das Wissen um den Menschen und das Wissen um alle Hintergründe der Welt zu vermehren.“

 

Walter Jens, 1978 über Oskar Maria Graf

 


 

Carl Amery

dt. Schriftsteller und Publizist
geb. 1922 in München

Oskar Maria Graf hatte einen Schutzengel, der ihn vor Ludwig Thomas barbarischen Irrtümern bewahrte – einen zuverlässigen, aber auch sehr unerbittlichen Schutzengel: den Sozialismus. Er ist ihm sein ganzes Leben lang treu geblieben, wenn er ihn auch nie als einen dogmatischen Pädagogen verstand.

 

Carl Amery, 1979 über Oskar Maria Graf

 


 

Sepp Bierbichler

Schauspieler
geb. 1948 in Ambach

In allem ist Leben, auch in der Lüge. Sein Schreiben war Kampf gegen die Lüge, um das Leben zu finden.

 

 

Sepp Bierbichler, 1984 in seiner Rede zu Grafs 90. Geburtstag im „Post“-Saal von Aufkirchen

 


 

Gerhard Bauer

Professor f. dt. Literatur
geb. 1935 in Diez

Da haben wir also seine Werke in großer Zahl und Vielfalt. Üppig, streng und leger, geheimnislos und äußerst merkwürdig; alltäglich; skandalös. Im Kern „wie das Leben selbst“, aber deutlicher in ihren unbefriedigenden, unhaltbaren Zuständen und Abläufen. Die erstaunlichsten Vorgänge sind darin zu finden, für vielerlei (aber auch nicht für jeden) Geschmack erzählt. Sie erhöhen unseren Lebensmut. Sie sprechen frei von der Lust und rücksichtlos von den Kosten und Umständen der Lust.

 

Gerhard Bauer, 1987 in seiner Biographie über Oskar Maria Graf

 


 

Gert Heidenreich

dt. Schriftsteller
geb. 1944

Wie kein anderer Autor seiner Zeit hat Graf die düstere Kehrseite der kapitalistischen Gesellschaft in kennzeichnenden Ausschnitten erfasst, gleichermaßen grob wie scharf – einem hastigen Bildhauer vergleichbar, der an einem Fries seiner Gegenwart arbeitet, Geschichten zum Relief schlägt und weiß, dass sein Plan langwierige Feinarbeiten nicht zulässt... Aus ihnen spricht auch gegenwärtig jene von Graf erstrebte „gültige Wahrheit, die genaugenommen nichts anderes ist als das, was logisch und wunschgemäß einleuchtet“. Dass diese „Wahrheit“ der Literatur heute nicht ‚modern’ ist, besagt nichts gegen sie. Das Werk Oskar Maria Grafs ist ja vor allem darum noch nicht in seiner Bedeutung und ihm zukommenden Breite anerkannt, weil Grafs Moralität der politischen Bequemlichkeit im Land seiner Sprache zuwider läuft, wo die besseren Worttraditionen es noch immer deutlich schwerer haben als jene der schändlichen Taten.

 

Gert Heidenreich, 1988 zu den „städtischen“ Kalendergeschichten Grafs, von diesem kurz vor seinem Tod noch als „Jedermanns Geschichten“ konzipierten Sammlung

 


 

Wulf Kirsten

dt. Schriftsteller
geb. 1934 in Klipphausen

Irgendwo las ich bei Graf, die oberbayerischen Bauern seien gute Weltbürger. Sinngemäß, sehr frei. Einen Nachweis dafür konnte ich nicht so rasch finden. Vielleicht hat Graf dabei zunächst einmal an sich gedacht. Wenn ich der Vorstellung huldige, Regionalismus sei nicht gleich Lokalpatriotismus, fuße ich auf diesen Graf-Satz. Ich gehe, darauf bauend, weiter: Regionalismus und kosmopolitisches Denken und Verhalten müssen sich nicht ausschließen. Mit meinem terrestrischem Zugehörigkeitsgefühl, bei dem ich jeweils ganz konkrete Erdstriche vor dem äußeren und inneren Auge habe, meist zu Fuß „abgelaufen“, lässt sich weltbürgerliche Gesinnung sehr wohl verbinden. Ich will nicht behaupten, dass sie einander bedingen. Eins aber weiß ich mit Sicherheit: Es ist ein verhängnisvoller Fehler, eine arrogante Dummheit vieler Linker, dieses Feld (Bekenntnis zu einer Region) zu verachten und nicht zu besetzen – und sich dann zu wundern, zu giften, wenn es die Rechten besetzen und für sich reklamieren.

 

Wulf Kirsten, der heute in Weimar lebende Lyriker, 1993 über Oskar Maria Graf

 


 

Dr. Ulrich Dittmann

Literaturwissenschaftler
Vorsitzender der
Oskar Maria Graf-Gesellschaft

 

Denn durch Oskar Maria Graf ist eine Epoche Bayerns und Münchens Weltliteratur geworden: Weltliteratur eines „Provinzschriftstellers“, dessen Spezialität angeblich nur „ländliche Sachen“ waren. Wir haben guten Anlass, uns dieses Kronzeugen einer zumeist heillosen Zeit dankbar zu erinnern oder – noch besser – ihn mit geschärftem Blick kritisch und selbstkritisch zu lesen.

 

Dr. Ulrich Dittmann 1994 über Oskar Maria Graf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertold Brecht Oskar Maria Graf