
v. l. n. r. Ehepaar Tretjakow, Graf, Else und Gustav Fischer 1935 Brünn
Tretjakow, Sergej
geb. 1892
gest.1939 (?)
russ. Schriftsteller, Dichter
Tretjakow war einer der besten Kenner der russischen Avantgarde und ihr erster und in dieser Breite einziger Geschichtsschreiber. Über die Futuristen Palmow und Chlebnikow, über Krutschonych, den „Buhmann der russischen Literatur“, schrieb er schon 1922. Die Porträts seiner ausländischen Kameraden stellen einen Glücksfall dar: Vertraut mit den russischen Versuchen und Fehlschlägen, studiert er parallele Unternehmungen und stellt ihre Urheber vor. Über Piscator und Wolf, Brecht und Eisler schreibt der Mitarbeiter Meyerholds und des „Theater-Oktobers“; über Heartfield und Ivens der Freund Rodtschenkos und Eisensteins. Gorkis autobiographische Prosa ist gegenwärtig, wenn er Andersen Nexö, Graf, Plievier und Gregor Gog beobachtet und beschreibt. Gesichter der Avantgarde vereint kompetente Stellungnahmen zur „Kunst in der Revolution und Revolution in der Kunst“ mit Porträts russischer und deutscher Kunstarbeiter.
Die Briefe Tretjakows an Eisler, Brecht und Graf aus den dreißiger Jahren zeigen ihn als tätigen solidarischen Freund seiner antifaschistischen deutschen Kampfgefährten und geben Einblick in die Fülle seiner künstlerischen und organisatorischen Aktivitäten.
16.1.1937 Verhaftung von Sergej Tretjakow und Deportation von Piscators vormaliger Mitarbeiterin Asja Lacis in Moskau.
In der Sowjetunion nahm Stalins Geheimdienstchef Berija zur selben Zeit jene berüchtigten Säuberungen vor, bei denen zahlreiche Kulturschaffende der Paranoia des Diktators zum Opfer fielen. Der Schriftsteller Sergej Tretjakow wurde als Volksfeind erschossen, Eisenstein und Prokofjew erhielten zeitweise Arbeitsverbot.
Quelle: Sergej Tretjakow: Gesichter der Avantgarde – Porträts, Essays, Briefe, Aufbau Verlag
Oskar Maria Graf lernte S. Tretjakow, der mit seiner Frau die Reisegruppe von Schriftstellern durch den Süden der Sowjetunion geleitete, ihn später in Brünn (Oktober 1935) besuchte und sich in seinem Lebensgefühl wie seiner Ausdrucksweise von Graf ungeheuer beeindrucken ließ.
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Vier Anmerkungen zum Verhältnis Oskar Maria Grafs und Sergej Tretjakows
in dem Sonderband Text + Kritik 1986, Seite 151 - 158 von Simone Barck